Landesaktionsplan

Landesaktionsplan

Gegen Gewalt an Frauen

  • Rückansicht eines Polizisten mit Handschellen und Funkgerät

»Mit dem Landesaktionsplan wollen wir sicherstellen, dass betroffene Frauen überall im Land sofort Schutz und genau die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.«

Katrin Altpeter, Sozialministerin

Die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in jeglicher Form, sei es häusliche Gewalt, Zwangsprostitution und Menschenhandel oder die Verstümmelung weiblicher Genitalien ist eine Verpflichtung für uns. Unter unserer Federführung wurde daher in Zusammenarbeit mit relevanten staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren ein Landesaktionsplan gegen Gewalt an Frauen erarbeitet.

Mit diesem Plan liegen erstmals eine vollständige Übersicht über das baden-württembergische Hilfesystem und zugleich auch ein darauf aufbauender Maßnahmenkatalog vor, um diese Hilfen noch zielgenauer zu verbessern. Der Aktionsplan enthält zudem viele Empfehlungen mit dem Ziel, Täter konsequenter zu verfolgen und zu bestrafen. Anders als in anderen Bundesländern nimmt der baden-württembergische Landesaktionsplan nicht allein die häusliche Gewalt in den Blick, sondern auch sexuelle Gewalt, Menschenhandel, Zwangsprostitution und Zwangsverheiratung.

Zielsetzung des Landesaktionsplans ist es, Täter in Verantwortung zu nehmen und Opfer zu schützen und in der Perspektive auf ein Leben ohne Gewalt zu unterstützen durch

  • eine bedarfsdeckende und bedarfsgerechte Versorgung mit Frauen- und Kinderschutzhäusern, Schutzwohnungen und ambulanten psychosozialen Unterstützungsangeboten für gewaltbetroffene Frauen,
  • gut aufeinander abgestimmte polizeiliche, psychosoziale, (rechts-) medizinische, zivil- und strafrechtliche Interventionsverfahren,
  • eine nachhaltige Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Der Landesaktionsplan wurde am 9. Dezember 2014 vom Kabinett verabschiedet. Für die Umsetzung der Maßnahmen des Aktionsplans stehen in den kommenden beiden Jahren insgesamt rund 3,6 Mio. Euro zur Verfügung. Der Landesaktionsplan sowie die dazugehörigen Anlagen stehen rechts zum Download zur Verfügung.

Landeskoordinierungsstelle unterstützt Zusammenarbeit 

Eine wesentliche Weiterentwicklung des Hilfesystems erwartet Ministerin Altpeter von der Einrichtung einer Landeskoordinierungsstelle. Sie soll die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Behörden und Institutionen wie beispielsweise Polizei, Rechtsmedizin und Opferhilfe auf kommunaler und Landesebene verbessern. Die Landeskoordinierungsstelle soll zudem spezielle Schutzkonzepte für Frauen entwickeln, die etwa aufgrund einer Behinderung oder einer Suchterkrankung besondere Unterstützung benötigen.

Entstehungsprozess

Der Landesaktionsplan ist in einem zweijährigen Prozess entstanden. Fünf interdisziplinäre Facharbeitsgruppen erarbeiteten Maßnahmenvorschläge und Standards zu folgenden Themenbereichen:

AG „Finanzierung“ AG „Finanzierung“

  • Bedarfsgerechte Ausgestaltung und finanzielle Absicherung des spezialisierten Unterstützungssystems für gewaltbetroffene Frauen.

AG „Strukturen und Weiterentwicklungen“ AG „Strukturen und Weiterentwicklungen“

  • Strukturbezogene Weiterentwicklungen von Schutz- und Beratungsangeboten in Ballungsräumen und ländlichen Regionen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von gewaltbetroffenen Frauen mit zusätzlichen Problemlagen wie z. B. Behinderungen und Beeinträchtigungen, psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen, prekärem Aufenthaltsstatus und mangelnden Deutschkenntnissen.

AG „Interventionsketten“ AG „Interventionsketten“

  • Behörden- und institutionenübergreifende Interventionen und Interventionsabläufe zur möglichst nachhaltigen Beendigung von akuter Gewalt.

AG „Prävention und Öffentlichkeitsarbeit“ AG „Prävention und Öffentlichkeitsarbeit“

  • Nachhaltige Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit in den Handlungsfeldern Information und Bewusstseinsbildung, Primär- und Sekundärprävention, Aus- und Fortbildung, Einbeziehung von Ämtern und Unternehmen in Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen für betroffene Mitarbeiterinnen („work-place-policy“).

AG „Medizinische Intervention u. verfahrensunabhängige Beweissicherung“ AG „Medizinische Intervention und Beweissicherung“

  • Medizinische Intervention in Fällen häuslicher und sexueller Gewalt und Schaffung eines flächendeckenden Angebotes der verfahrensunabhängigen Spurensicherung.

Der Arbeits- und Planungsprozess wurde von einem Beirat zum Landesaktionsplan gegen Gewalt an Frauen begleitet, der die Arbeitsergebnisse der Facharbeitsgruppen prüft und bewertet.

Kontakt

Ministerium für Arbeit und Sozialordnung,
Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg
Schellingstr. 15
70174 Stuttgart

Peter Pfeiffer

0711/123-3515

Peter.Pfeiffer@sm.bwl.de
 
Eine Beratung im Einzelfall kann und darf vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren nicht erteilt werden.

Telefonische Beratung bietet das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ zu jeder Zeit anonym, kostenlos und in mehreren Sprachen:

08000 116 016


Onlineberatung

Beraterinnen stehen hilfesuchenden Frauen zu allen Formen der Gewalt vertraulich zur Seite und leiten sie auf Wunsch an die passende Unterstützungseinrichtung vor Ort weiter.
www.hilfetelefon.de


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