Bildung, Arbeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Handlungsfeld

Bildung, Arbeit, Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege

  • Mann arbeitet zuhause am Laptop

Der demografische Wandel bedeutet neben der Zunahme der Anzahl älterer Menschen vor allem auch einen abnehmenden Anteil von Menschen im erwerbsfähigen Alter. Die Herausforderungen, die sich besonders aus den Verschiebungen in der Altersstruktur für unsere Gesellschaft ergeben, berühren praktisch alle Lebensbereiche: Von der Kinderbetreuung und dem Bildungsbereich über das Angebot an und die Nachfrage nach Arbeitsplätzen bis hin zu Fragen der sozialen und materiellen Sicherung im Alter.

So müssen sich Arbeitgeber auf weniger nachfolgende Fachkräfte, älter werdende Belegschaften und auf einen höheren Wettbewerbsdruck um qualifizierte Fachkräfte einstellen. Um hier gegenzusteuern und die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Baden-Württemberg zu erhalten, ist eine gute schulische und berufliche Bildung ebenso unerlässlich wie die ständige Weiterbildung und lebenslangen Lernen.
Noch stärker als bisher muss darauf geachtet werden, dass alle Menschen die bestmöglichen Chancen auf eine qualifizierte Ausbildung und Arbeit erhalten. So haben sie die Möglichkeit, sich mit ihren individuellen Fähigkeiten und Qualifikationen ins Berufsleben einzubringen und damit Baden-Württemberg als Wirtschaftsstandort attraktiv und wettbewerbsfähig zu halten. Die Voraussetzung hierfür sind entsprechende Bildungsangebote in Schule, Ausbildung und Studium, die so gestaltet sind, dass sie die Chancen für alle Kinder erhöhen, egal welcher Herkunft sie sind.

Gerechte und gute Arbeitsbedingungen, eine lebensphasenorientierte Unternehmens- und Personalpolitik und familienfreundliche Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit entsprechenden Arbeitszeitmodellen werden im Wettbewerb immer wichtiger für Betriebe, die ihre Fachkräfte halten und neue Fachkräfte gewinnen wollen. Es ist daher in beiderseitigem Interesse, flexible Arbeitszeitmodelle mit familienbewussten Arbeitszeiten anzubieten (Home-office, Familienarbeitszeit, Freistellungsmöglichkeiten). Diese müssen ergänzt werden durch kompatible Betreuungszeiten in Kinderkrippen, Kindergärten und Ganztagesbetreuungen der Schule.
Flexible Arbeitzeitmodelle spielen insbesondere auch für pflegende Angehörige eine herausragende Rolle. Der größte Pflegedienstleister in Deutschland ist die Familie. Durch das demografisch bedingte Altern der Gesellschaft wird sich der Anteil von Pflegebedürftigen in den nächsten Jahrzehnten stark erhöhen (bis zu 50 %).

Die Herausforderung sowohl Familie, Beruf und Pflege bzw. Beruf und Pflege in Einklang zu bringen, in all diesen Bereichen auch Zufriedenstellendes zu leisten und dabei selbst gesund zu bleiben, sollte nicht nur Thema der pflegenden Familienangehörigen sein. Hierfür ist Unterstützung von Arbeitgebern, von Krankenkassen und Politik etc. gefragt.

Durch das Pflegestärkungsgesetz sorgt die Politik für mehr Entlastung und eine bessere Absicherung für pflegende Angehörige. So können sich diese für einen begrenzten Zeitraum und mit finanzieller Unterstützung ganz auf die Pflege konzentrieren. Darüber hinaus können Sozialversicherungsbeiträge, zum Beispiel der Rentenversicherung, übernommen werden. Die Krankenkassen bieten pflegenden Angehörigen Kurse, die den Pflegealltag erleichtern und Vorsorgekuren an.

Die demographische Entwicklung birgt neben den großen Herausforderungen auch vielfältige Chancen. Da sich mit ihr das Konsumentenverhalten ändern wird, können neue Märkte mit entsprechenden Wachstumspotenzialen entstehen. Chancen bieten sich gerade für die Branchen, deren Produkte und Dienstleistungen von älteren Menschen nachgefragt werden, vor allem in den Bereichen Gesundheit und Pflege, Tourismus, Freizeit und Kultur. Auch Betriebe, die zum Beispiel in der Unterhaltungs- und in der Multimediabranche altersgerechte Produkte anbieten, können vom demografischen Wandel profitieren.


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