Interview Staatssekretärin Bärbl Mielich

Interview

Interview mit Staatsekretärin Bärbl Mielich zur Umfrage

  • Porträt Bärbl Mielich

Die Landesregierung möchte die Pflege und den Pflegeberuf aufwerten. Eine Möglichkeit, um die Selbstverwaltung der Pflegefachkräfte voranzubringen, ist die Gründung einer Pflegekammer. Daher wurde unter den Pflegefachkräften in Baden-Württemberg eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Staatsekretärin Bärbl Mielich beantwortet dazu im Interview die wichtigsten Fragen:

Frage: Was ist eine Pflegekammer überhaupt?
Mielich: Pflegekammern sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie sind beitragsfinanziert, verwalten sich selbst und stehen unter der Rechtsaufsicht des Landes. Vergleichbare Einrichtungen sind zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer oder die Ärztekammer.

Frage: Warum wird eine Umfrage gemacht?
Mielich: Wir möchten die Pflege und den Pflegeberuf aufwerten. Dies kann auch über die Stärkung der Pflegekräfte, insbesondere deren Selbstverwaltung geschehen. Nur die Pflegekräfte selbst können sagen, ob sie eine Pflegekammer haben möchten oder nicht. Daher haben wir uns – wie auch andere Bundesländer – dazu entschieden, eine Umfrage unter den Pflegekräften durchzuführen. Alternativ hätten wir eine Pflegekammer natürlich auch einfach per Gesetz einführen können. Dies wollten wir aber ausdrücklich nicht! Für uns ist die zentrale Frage: Wollen die Pflegekräfte im Land eine Kammer oder nicht?

Frage: Wer wird befragt?
Mielich: Es werden zum einen examinierte Pflegekräfte befragt, die in verschiedenen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten arbeiten. Zusätzlich werden auch Auszubildende in Schulen um ihre Meinung gebeten. Insgesamt sollen rund 1.500 Personen befragt werden.

Frage: Sind die Ergebnisse der Umfrage repräsentativ für alle Pflegefachkräfte im Land?
Mielich: Ja. Im Rahmen einer Zufallsstichprobe hat jede Pflegefachkraft die gleiche Chance, in die Stichprobe zu gelangen. Die reine Anzahl von Befragten ist kein Qualitätsmerkmal. Bei einer qualitativ hochwertigen Stichprobe können bei einer hohen Teilnahmequote bereits 600 Befragte ausreichen, um für alle Pflegefachkräfte repräsentative Aussagen zu treffen. Eine Befragung aller Pflegefachkräfte, also eine Vollerhebung, würde dagegen unverhältnismäßig hohe Kosten und einen extrem hohen Aufwand bedeuten.

Frage: Ist die Umfrage anonym?
Mielich: Ja. Das von uns beauftragte Institut gewährleistet die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen. Die Ergebnisse werden ausschließlich in anonymisierter Form dargestellt. Es ist nicht erkennbar, von welcher Person oder von welcher Einrichtung die Angaben stammen. Das Institut gibt keine Daten an Dritte, auch nicht an das Ministerium für Soziales und Integration, weiter und garantiert somit die Anonymität.

Frage: Ist die Teilnahme an der Umfrage freiwillig?
Mielich: Ja. Dabei ist wichtig zu wissen, dass zunächst die jeweilige Einrichtungsleitung, ggf. gemeinsam mit der Personalvertretung über eine Teilnahme der Einrichtung an der Umfrage entscheidet. . Bei einem positiven Votum der Einrichtungsleitung entscheidet dann wiederum jede Pflegefachkraft für sich, ob sie an der Umfrage teilnehmen möchte.

Frage: Von Gewerkschaftsseite wird kritisiert, die Umfrage verletze das Datenschutzrecht sowie Mitbestimmungsrechte von Betriebs- bzw. Personalräten – stimmt das?
Mielich: Nein. Diese Kritik verwundert uns sehr. Die Gewerkschaftsseite ist Mitglied im Beirat „Pflegekammer“ und hat als solches sowohl den Flyer zur Pflegekammer als auch den Fragebogen zur Umfrage selbst inhaltlich mitgestaltet. Der Datenschutz ist umfassend gewahrt. Bezüglich der Mitbestimmungsrechte gehen wir davon aus, dass die Einrichtungsleitung die Personalvertretung mit einbezieht, bevor sie einer Teilnahme an der Umfrage zustimmt.

Mehr Informationen zur Pflegekammer in Baden-Württemberg


Fußleiste