Mahnmal

Stolz weiht Mahnmal zum Gedenken an Euthanasie-Opfer ein

„Wir müssen aus der Vergangenheit lernen“, sagte Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz bei der Einweihung des „Mahnmals Weissenau“ am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Abtransport von Patienten der damaligen Heilanstalten gehöre sicher, so die Ministerin „zu den dunkelsten Kapiteln in der Psychiatriegeschichte.“ Umso bemerkenswerter sei die heutige Einweihung des Mahnmals, das in seiner Gestaltung an die Abtransporte erinnert. „Ich begrüße es nachdrücklich, dass sich die Zentren für Psychiatrie mit den historischen Bezügen auseinandersetzen.“

Das von Horst und Hoheisel und Andreas Knitz entworfene Mahnmal verkörpert einen grauen Betonbus. Er ist damit jenen Omnibussen nachempfunden, mit denen die „Euthanasie-Opfer“ zu den Gaskammern abtransportiert wurden. In der Heilanstalt Weissenau waren es 691 Patienten. „Die grausamen Erfahrungen aus der NS-Zeit lehren, dass Demokratie, Toleranz und Humanität keine Selbstverständlichkeiten sind und das Engagement jedes Einzelnen erfordern“, sagte Stolz. Die heutige Psychiatrie richte sich an ethischen und humanen Werten aus. Sie beinhalte die Gleichstellung der psychisch kranken Menschen mit den somatischen Patienten.

„Das Mahnmal hält uns an, allen Versuchungen zu widerstehen, menschliches Leben in lebenswert und nicht lebenswert einzuteilen. Es mahnt uns auch, mit ethischen Fragen besonders sensibel umzugehen“, erklärte die Ministerin. Hinweis für die Redaktionen:

Der „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“ wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog initiiert. Anstoß hierzu war die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Seit nunmehr elf Jahren wird dieser Jahrestag zum Anlass genommen, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Unter den Millionen Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind, waren auch psychisch kranke und behinderte Menschen. Durch Hitlers so genannten „Euthanasie-Erlass“ von 1939 wurden über 70 000 psychisch kranke und behinderte Menschen ermordet. Im Gedenken an diese Opfer und zur Mahnung werden auch in den anderen Zentren für Psychiatrie und an anderen Fachkrankenhäusern im Land Veranstaltungen durchgeführt.

Auf folgende Veranstaltungen weisen wir hin:

Das Psychiatrische Zentrum Nordbaden (PZN) und die Stadt Wiesloch werden der Euthanasieopfer des Nationalsozialismus in einer gemeinsamen Veranstaltung gedenken. Bei der Veranstaltung vor und in der Festhalle des PZN wird die Skulptur IRO der Künstlerin Elke Weickelt eingeweiht (ab 16.30 Uhr). Die Skulptur erinnert an das Schicksal hunderter osteuropäischer Zwangsarbeiter und Deportierter. Um 17.05 Uhr beginnt eine Filmvorführung „Verschollen in der Psychiatrie“.

Im ZfP Bad Schussenried erfolgte bereits am Freitag, den 26. Januar um 13.30 Uhr eine Kranzniederlegung vor dem Neuen Kloster am Opferdenkmal „Das offene Haus“.

Am Zentrum für Psychiatrie Reichenau wird um 10.30 Uhr ein Vortrag von Herrn Professor Dr. Friedemann Pfäfflin mit dem Thema: „Universitätspsychiatrie und NS-Zeit“ angeboten.

Das ZfP Zwiefalten (Münsterklinik) gedachte zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Realschule Zwiefalten schon am Mittwoch, den 24. Januar im Kapitelsaal der Münsterklinik in einer Feier mit anschließender Kranzniederlegung am Mahnmal des ehemaligen Anstaltsfriedhofs der Münsterklinik dem Schicksal der NS-Opfer.

Quelle:

Ministerium für Arbeit und Soziales