Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und -prävention

Basis zur Bekämpfung der Armut im Land

Zwei Kleinkinder auf einer Rutsche

Auch in einem reichen Land wie Deutschland und hier in Baden-Württemberg ist Armut Realität. Wer arm ist, kann an vielem nicht teilhaben. Armut ist ein Mangel an Verwirklichungschancen und kann sich auf Bildung, Arbeit und Gesundheit auswirken. 

Armut wird immer noch allzu oft übersehen. Wichtig sind daher gute und gleiche Chancen von Beginn an: in der Kita, im Kindergarten, in der Schule. Um Armut erfolgreich zu bekämpfen bzw. zu verhindern ist es wichtig, für die verschiedenen Betroffenengruppen jeweils passgenaue, nicht stigmatisierende Angebote und Instrumente zu entwickeln. Hierzu braucht es eine aussagekräftige Datengrundlage. 

Armuts- und Reichtumsberichterstattung für Baden-Württemberg

Für das Land wurde diese Datengrundlage mit dem Ersten Armuts- und Reichtumsbericht Baden-Württemberg 2015 geschaffen. Der Bericht wurde im Auftrag des Sozialministeriums von der FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt erstellt. 

Die Aktualisierung der Kerndaten des Berichts erfolgt im Wege eines regelmäßig aktualisierten Basisindikatorensatzes zum Themenkomplex Armut und Reichtum, der im Rahmen des GesellschaftsMonitoring Baden-Württemberg veröffentlicht ist. Diese Basisindikatoren ermöglichen ein komprimiertes und kontinuierliches Monitoring der Bereiche Armut und Reichtum in Baden-Württemberg. 

Ergänzt wird die Bereitstellung von Basisindikatoren durch eine jährlich wiederkehrende Darstellung aktueller Entwicklungen aus den Basisindikatoren sowie durch praxisorientierte GesellschaftsReports zu aktuellen Themen aus dem Bereich Armut und Reichtum wie Gesundheit von Kindern oder Teilhabe von Armutsgefährdeten in Baden-Württemberg (siehe auch Downloads am Ende der Seite).

Die im Rahmen der Berichterstellung begonnene Zusammenarbeit mit dem Landesbeirat für Armutsbekämpfung und Prävention wird fortgesetzt. Der Beirat setzt sich aus den im Sozialbereich tätigen Verbänden, den sozialpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen sowie den fachlich beteiligten Ministerien zusammen. 

Kommunale Armuts- und Sozialberichterstattung

Eine entscheidende Rolle bei der Armutsprävention und der Reduzierung von Armutsfolgen spielen die Akteure vor Ort, die Kommunen und ihre Partner. Um sie zu unterstützen, hat das Ministerium für Soziales und Integration den „Praxisleitfaden kommunale Armuts- und Sozialberichterstattung“ vorgelegt. Der Leitfaden versteht sich als Handwerkskoffer mit verschiedenen Instrumenten als Angebot an Kommunen, die einen Armuts- oder Sozialbericht erstellen bzw. ihre Berichterstattung fortschreiben möchten. 

Ergänzend zum Leitfaden, der 2018 veröffentlicht wurde, hat das Land Beteiligungsworkshops zur kommunalen Armutsprävention und Armutsüberwindung durch Stadt- und Landkreise sowie Kommunen gefördert, die einen Armuts- oder Sozialbericht vorbereiten oder diesen bereits vorgelegt haben. 

Bessere Teilhabe von armutsgefährdeten Menschen an Politik und Gesellschaft

Regelmäßige soziale Kontakte wirken sich positiv auf die politische und gesellschaftliche Teilhabe von armutsgefährdeten Menschen aus. Zu diesem Ergebnis kommt der zweite GesellschaftsReport BW des Jahres 2019. Beispiele aus der Praxis zeigen, welche Rolle Vernetzungsmöglichkeiten spielen, um sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Daher fördert das Ministerium für Soziales und Integration den Aufbau von Präventionsnetzwerken gegen Kinderarmut und für Teilhabe und Beteiligung sowie Projekte zur besseren Teilhabe armutsgefährdeter Menschen. Die bis Ende September 2019 eingereichten Projektanträge für die Förderaufrufe „Aktiv und gemeinsam gegen Kinderarmut und für Teilhabe und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen“ und „Politische und gesellschaftliche Teilhabechancen trotz Armutsgefährdung“ werden derzeit geprüft. Acht Projekte haben bereits eine Förderzusage erhalten. Sie werden in Stuttgart, Mannheim, Göppingen, Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis durchgeführt und befassen sich mit Angeboten aus den Bereichen Politik und Kultur, bieten Begegnungsräume oder fördern die Bildung von Netzwerken.

Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut mit Schwerpunkt Gesundheit

Im Rahmen des Förderaufrufs „Aktiv und gemeinsam gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit“ werden seit Ende 2018 Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut mit dem Schwerpunkt Gesundheit an sechs Standorten gefördert: der Ortenaukreis, der Landkreis Ravensburg sowie die Städte Schorndorf, Singen, Stuttgart und Ulm. Der Förderaufruf war eine direkte Konsequenz aus den Ergebnissen des GesellschaftsReports Baden-Württemberg mit dem Titel „Familienarmut – ein Risiko für die Gesundheit von Kindern“ (Ausgabe 3/2018). Denn während der Großteil der Heranwachsenden in Baden-Württemberg gute Chancen hat, gesund aufzuwachsen, haben insbesondere die knapp 20 Prozent armutsgefährdeter Kinder und Jugendlichen ein höheres gesundheitliches Risiko und damit geringere Chancen auf ein gesundes Leben. 

Ergebnisse des Ideenwettbewerbs für Strategien gegen Armut

Den Akteuren vor Ort als Handreichung dienen soll die Bilanzierung des Ideenwettbewerbs „Strategien gegen Armut“, der 2016 als Empfehlung des Ersten Armuts- und Reichtumsbericht stattfand. Schon lange geplante Projekte und neue Ansätze in der Armutsprävention und -überwindung, denen es bisher an der Finanzierung mangelte, konnten verwirklicht werden. Die 13 ausgewählten Projekte richteten sich an Kinder, Alleinerziehende, alte Menschen, Langzeitarbeitslose, Überschuldete, Migrantinnen und Migranten oder von Wohnungslosigkeit betroffene Menschen. 

Die FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt hatte die Projekte und ihre Ergebnisse in einer Bilanz unter die Lupe genommen. Wegen des thematischen Zusammenhangs umfasst die Dokumentation ergänzend zwei vom Ministerium für Soziales und Integration finanziell unterstützte Leuchtturmprojekte aus Singen und Tübingen, bei denen systematisch Wege zur Bekämpfung der Kinderarmut beschritten wurden.

Die Förderung von Leuchtturm-Projekten auf dem Gebiet der Armutsbekämpfung und Prävention wird fortgesetzt. Aktuelle Ausschreibungen werden auf der Website des Ministeriums veröffentlicht.