Gesundheitsschutz

West-Nil-Virus: Derzeit kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung

In Baden-Württemberg sind erstmals zwei lokal erworbene Infektionen mit dem West-Nil-Virus bei Menschen nachgewiesen worden. Nach derzeitigem Kenntnisstand erfolgte die Infektion durch Stiche infizierter Stechmücken.

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Asiatische Tigermücke

In Baden-Württemberg sind in der vergangenen Woche erstmals zwei lokal erworbene Infektionen mit dem West-Nil-Virus (WNV) bei Menschen nachgewiesen worden. Beide Personen hatten sich zuvor nicht im Ausland aufgehalten. Nach derzeitigem Kenntnisstand erfolgte die Infektion durch Stiche infizierter Stechmücken im Raum Stuttgart beziehungsweise Karlsruhe.

Kein erhöhtes Risiko für Bürgerinnen und Bürger

Lokal erworbene West-Nil-Infektionen sind in Deutschland seit 2019 bekannt. Sie wurden zunächst überwiegend in ostdeutschen Bundesländern festgestellt. Inzwischen sind auch Infektionen in weiteren Teilen Deutschlands dokumentiert. Im Jahr 2026 waren mit Datenstand 7. Oktober bisher Berlin (2 Fälle), Sachsen (1 Fall) und Rheinland-Pfalz (1 Fall) betroffen. Die beiden aktuellen Fälle sind die ersten bekannten lokal erworbenen Infektionen bei Menschen in Baden-Württemberg.

„Es ist nicht überraschend, dass das West-Nil-Virus nun erstmals auch bei Menschen in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde. Nachdem das Virus bereits seit 2024 bei Vögeln und Pferden im Land festgestellt worden war, musste auch mit Übertragungen auf Menschen gerechnet werden. Nach aktueller Bewertung des Landesgesundheitsamts besteht derzeit aber kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung“, sagte Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand MdL am Mittwoch (14. Oktober) in Stuttgart.

Etwa 80 Prozent aller Infektionen verlaufen ohne erkennbare Symptome

Das West-Nil-Virus zirkuliert hauptsächlich zwischen heimischen Stechmücken und wildlebenden Vögeln. Stechmücken, die sich an infizierten Vögeln angesteckt haben, können das Virus auch auf Menschen und andere Säugetiere (insbesondere Pferde) übertragen. Menschen und Pferde gelten als sogenannte Fehlwirte: Sie tragen in der Regel nicht zu einer Weiterverbreitung des Virus durch Stechmücken bei. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet im alltäglichen Kontakt nicht statt.

Die meisten Infektionen beim Menschen verlaufen ohne erkennbare Symptome. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln ein West-Nil-Fieber, das sich unter anderem durch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ausgeprägte Müdigkeit äußern kann. Schwere neurologische Erkrankungen sind sehr selten. Eine spezifische antivirale Behandlung oder eine für Menschen zugelassene Impfung steht derzeit nicht zur Verfügung.

Vor Stichen schützen und Verbreitung bekämpfen

Das Landesgesundheitsamt empfiehlt, sich während der Stechmückensaison in Baden-Württemberg vor Stichen zu schützen. Dazu eignen sich beispielweise Mückenschutzmittel, lange, helle und weite Kleidung sowie Mückenschutzgitter an Fenstern und Türen. Darüber hinaus sollten mögliche Brutstätten von Stechmücken im eigenen Garten oder auf dem Balkon vermieden werden. Hinweise hierzu finden sich in einer Informationsbroschüre zur Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke für Bürgerinnen und Bürger sowie auf der Website des Landesgesundheitsamts: Kompetenzzentrum Tigermücke.

Auch für die medizinische Versorgung ergeben sich Hinweise: Ärztinnen und Ärzte sollten während der Stechmückensaison bei unklarem Fieber oder neurologischen Erkrankungen eine mögliche West-Nil-Infektion in Betracht ziehen und bei entsprechendem Verdacht geeignete Laboruntersuchungen veranlassen.

Landesgesundheitsamt: InfektNews - Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten Baden-Württemberg