Kultusministerin Theresa Schopper und Sozialminister Manne Lucha haben dem Ministerrat am Dienstag (20. Januar) über Maßnahmen zur Stärkung der Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus, Schule und außerschulischen Akteuren berichtet.
„Das Thema Erziehungspartnerschaft liegt mir schon lange am Herzen. Die Gesellschaft ist vielfältiger geworden, die Familienformen verändern sich ebenso wie das Familienleben und auch das Rollenverständnis von Lehrerkräften und Eltern. Bildung und Erziehung gehören dabei immer zusammen. Je besser sich Lehrkräfte und Eltern dabei ergänzen, desto größer wird am Ende der Bildungserfolg unserer Kinder sein. Hierfür wollen wir sämtliche Anstrengungen unternehmen und haben ein Bündel von Maßnahmen auf den Weg gebracht“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Anschluss an die Sitzung des Ministerrats. Bei der Erziehungspartnerschaft gehe es darum, dass Eltern, Schule und weitere Akteure gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die positiven Effekte einer solchen partnerschaftlichen Zusammenarbeit bei Bildung und Erziehung der Kinder seien in der Bildungsforschung nachgewiesen und messbar1. „Auch die PISA-Erhebungen der OECD (PDF) zeigen: Wo Eltern früh und kontinuierlich in Bildungsprozesse eingebunden sind – etwa durch Vorlesen, gemeinsames Problemlösen oder Beteiligung am Schulleben –, steigen Motivation und Leistung der Kinder“, fügte Ministerpräsident Kretschmann hinzu.
Pilotprojekt Familiengrundschulzentren
Kultusministerin Schopper ergänzte: „Die stärkere Einbindung von Eltern in das schulische Umfeld ist uns ein besonderes Anliegen. Dies wird an vielen Schulen im Land auch schon gelebt, wenn sich Eltern beispielsweise als Elternvertreter oder in Schul-Fördervereinen engagieren. Ein zentrales innovatives Projekt sind dabei die Familiengrundschulzentren, die wir derzeit im Startchancen-Programm entwickeln. Diese beraten und unterstützen, beispielsweise mit offenen Sprechstunden, Deutschkursen für Eltern mit Zuwanderungsgeschichte und Eltern-Kind-Angeboten. Und sie vernetzen Schule, Jugendhilfe und Vereine für einen engmaschigen gemeinschaftlichen Zusammenhalt. Im Kita-Bereich sind wir sogar schon weiter: Seit 2016 haben sich bereits 549 Kitas im Rahmen des Landesförderprogramms zu Kita- und Familienzentren weiterentwickelt. Genau diese lebendige Einbettung in das soziale Umfeld brauchen die Schulen und der frühkindliche Bereich, um Bildungs- und Aufstiegschancen zu verwirklichen. Erziehungspartnerschaft bedeutet in diesem Sinne das gemeinsame Übernehmen von Verantwortung zum Wohl unserer Kinder.“
Stärkung der Familienbildung und Familienförderung
Sozialminister Lucha sagte: „Im außerschulischen Bereich steht eine systematische Stärkung der Familienbildung und Familienförderung als Teil einer umfassenden Erziehungspartnerschaft im Mittelpunkt. Die Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und dem erweiterten Sozialraum ist ein zentraler Baustein für gelingende Erziehung und Bildung. Zum erweiterten Sozialraum zählen unter anderem die Jugendhilfe, die Familienzentren, die freien Träger sowie die sozialpädagogischen Dienste.“ Er ergänzte: „Unser seit Jahren etabliertes Landesprogramm STÄRKE fördert bedarfsorientiert die Erziehungskompetenz der Eltern in allen Bereichen und unterschiedlichen Lebenslagen. Ein anderes konkretes Beispiel zur Stärkung der Familienbildung sind die vom Sozialministerium finanzierten und von der Universität Tübingen zur Förderung der Medienerziehung entwickelten kostenlosen Onlinetrainings ,Internetsucht: Eltern stärken! – ISES! Kids‘. Ergänzend dazu unterstützen weitere vom Sozialministerium geförderte Familienbildungskurse zu den Themen Demokratie- und Medienbildung sowie spezielle Angebote für Väter zur gemeinsamen gleichberechtigten Elternschaft die Familien bei ihren alltäglichen Herausforderungen.“
Weitere Informationen
Eine von Ministerpräsident Kretschmann initiierte Projektgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus Staatsministerium, Kultusministerium und Sozialministerium hat in den letzten Monaten in einem Eckpunktepapier (PDF) ein Maßnahmenbündel zur Stärkung der Erziehungspartnerschaft ausgearbeitet.
Schwerpunkte dabei sind die Stärkung der Elternmitwirkung in der Schule, Weiterentwicklung der Erziehungspartnerschaft von Eltern und Schule, die stärkere Verankerung entsprechender Kompetenzen in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung, die Förderung der Familienbildung sowie die Stärkung der Jugendsozialarbeit, der Schulsozialarbeit und der Hilfen zur Erziehung. Weiter sind der Ausbau der kommunalen Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut sowie die Gesundheitsförderung und -bildung von Kindern und ihrem Umfeld vorgesehen.
Um sämtliche Akteure in den gesamten Prozess einzubeziehen, fand am 4. November 2025 im Auftrag von Ministerpräsident Kretschmann ein Workshop der Servicestelle Bürgerbeteiligung für alle Stakeholder statt. Hierzu wird es am 3. Februar 2026 eine Fortsetzung geben, in der die vorgeschlagenen Maßnahmen weiter ausgearbeitet werden.
Außerdem wurden im Rahmen des Fachkongresses: „Erziehungspartnerschaft: Gemeinsam Kinder stark machen.“ im Neuen Schloss in Stuttgart am 16. Januar 2026 Impulse aus Wissenschaft und Praxis gebündelt, die in den weiteren Prozess einfließen.
Ziel des gesamten Prozesses ist es, Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um die Partnerschaft von Schule, Elternhaus und „außerschulischen Akteuren im Sozialraum“ zu stärken.
Artikel 12 Absatz 2 Landesverfassung lautet: „Verantwortliche Träger der Erziehung sind in ihren Bereichen die Eltern, der Staat, die Religionsgemeinschaften, die Gemeinden und die in ihren Bünden gegliederte Jugend.“
Das Pilotprojekt der Familiengrundschulzentren (FGZ) ist eine konkrete Maßnahme aus dem Eckpunktepapier. Hierzu hat Ministerpräsident Kretschmann am 26. November 2025 mit einer Grundschule (Wilhelmsschule in Stuttgart-Wangen) gesprochen, an der ein solches eingerichtet wird. Ein FGZ ist eine Grundschule mit erweiterten Angeboten für Kinder und ihre Familien. Es verbindet Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote unter einem Dach und öffnet die Schule stärker in den Sozialraum. Ziel ist es, Eltern niedrigschwellig einzubeziehen, Chancengleichheit zu fördern und die Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe und weiteren Partnern zu stärken.
Damit wird das erfolgreiche Konzept der Kinder- und Familienzentren (KiFaZ), das bislang in Kindertageseinrichtungen umgesetzt wird, konzeptionell im Rahmen des Startchancen-Programms an den Grundschulen fortgeschrieben. Hierzu wird ein Pilotprojekt mit den Städten Stuttgart, Mannheim und Ulm umgesetzt – insgesamt sollen neun Schulen teilnehmen. Der Auswahlprozess der Schulen ist abgeschlossen; der Projektstart erfolgt im Februar 2026 mit einem Initialworkshop. Fachberaterinnen und Fachberater des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) werden parallel zu Multiplikatoren ausgebildet, um die Übertragung des Modells in die Fläche nach Abschluss des Piloten zu ermöglichen.
Diese Entwicklungen erfordern auch eine systematische Stärkung des erweiterten Sozialraums, der Familienbildung und Familienförderung als Teil einer umfassenden Erziehungspartnerschaft. Familien sind die soziale Mitte unserer Gesellschaft. Die Etablierung von verbindlichen Kooperationsstrukturen zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren und das damit verbundene Empowerment der Familien, die Herausforderungen zu meistern, ist auch Teil der im November 2024 verabschiedeten Familienförderstrategie des Landes.
Konkret werden im Rahmen dieser Strategie bereits 21 Projekte zum Aufbau von Unterstützungsangeboten für Familien sowie zur Weiterentwicklung von Familienzentren und vergleichbaren Einrichtungen im ländlichen Raum und in Brennpunkten durch das Sozialministerium gefördert. Damit werden auch Familienlotsinnen und Familienlotsen etabliert, die insbesondere die Vernetzung und Kooperation mit dem erweiterten Sozialraum von Familien verbessern.
Mit dem Landesprogramm STÄRKE und weiteren Maßnahmen, wie zum Beispiel dem bis Mai 2025 durch das Sozialministerium finanzierten kostenlosen Onlinetraining zur Förderung der Medienerziehung der Universität Tübingen „Internetsucht: Eltern stärken! - ISES! Kids“ und der bedarfsorientierten Förderung von Familien zu gesellschaftlich relevanten Themen, stärkt das Sozialministerium Eltern als aktive Partner im Bildungsprozess ihrer Kinder. Insbesondere die im Haushaltsjahr 2025 mit zusätzlichen 500.000 Euro geförderten Familienbildungskurse zu den Themen Demokratiebildung, Medienbildung und – vor allem an Väter gerichtet – zur gemeinsamen gleichberechtigten Elternschaft ermöglichen es, die Familien gut in ihren alltäglichen Herausforderungen zu unterstützen.
1 Hillmayr, Delia; Täschner, Janina; Brockmann, Lilo; Holzberger, Doris (2021): Elternbeteiligung im schulischen Kontext. Potenzial zur Förderung des schulischen Erfolgs von Schülerinnen und Schülern. Waxmann
Quelle:
Staatsministerium Baden-Württemberg

