Organspende

Zahl der Organspenden in Baden-Württemberg steigt leicht

Trotz positiver Entwicklung bei den Organspendezahlen im Land warten zurzeit 850 Menschen auf ein Spenderorgan. Der Tag der Organspende am 6. Juni macht wieder bundesweit auf das Thema aufmerksam.

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Eine Person hält einen Organspendeausweis in der Hand. (Foto: Caroline Seidel / dpa)

Unter dem Motto „Zeit, Zeichen zu setzen“ finden am 6. Juni die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Organspende in Leipzig statt. Ziel ist es, bundesweit auf das Thema aufmerksam zu machen. Denn Spenderorgane gibt es noch immer viel zu wenige – auch in Baden-Württemberg.

Weiterhin große Organspendelücke

„Allein in Baden-Württemberg warten derzeit laut Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation rund 850 Menschen auf ein oder mehrere Spenderorgane. Aufgrund kombinierter Transplantationen werden aktuell 885 Organe benötigt“, sagte Sozial- und Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand am Dienstag (2. Juni) in Stuttgart.

Die kürzlich vom Bundestag beschlossene Reform der Lebendorganspende würde zumindest bei Nierenspenden etwas Abhilfe schaffen, indem künftig Überkreuzspenden zwischen zwei oder mehreren Paaren, sowie auch anonyme Nierenspenden an unbekannte Personen möglich sind. „Dennoch bleibt eine massive Lücke zwischen dringend benötigten Spenderorganen und tatsächlichen Organspenden - obwohl eine Mehrheit der Bevölkerung der Organspende gegenüber positiv eingestellt ist“, betonte Hildenbrand. Laut Studien liegen die Zustimmungsraten zur Organspende bei mehr als 80 Prozent. Schriftlich dokumentiert und im Ernstfall auffindbar ist diese Entscheidung jedoch nur bei rund 15 Prozent.

20 Jahre Bündnis Organspende Baden-Württemberg

Baden-Württemberg ist bezüglich Aufklärung und Sensibilisierung in Sachen Organspende seit Jahren aktiv – das Bündnis Organspende feiert dieses Jahr sein 20jähriges Bestehen. Gemeinsames Ziel der Bündnispartner ist es, die Organspende durch umfassende Aufklärung zu fördern. Im Bündnis wirken alle mit, die bei Organspende und Transplantation in Baden-Württemberg Verantwortung tragen – von den Transplantationszentren bis zu Betroffenenorganisationen. Damit steht ein bundesweit beispielhaftes Expertengremium zur Verfügung, dessen Expertise bei allen Fragen rund um das Thema Organspende genutzt wird. Neben der Beteiligung an öffentlichen Veranstaltungen informieren die Bündnispartner auch an Schulen, in Betrieben oder Vereinen. „Die lange Dauer dieses Engagements ist für mich herausragend“, sagte Gesundheitsminister Hildenbrand. „Und die persönlichen Statements von Betroffenen sind durch keinen wissenschaftlichen Artikel und durch keine Statistik zu ersetzen.“

Positive Entwicklung im Land

Das Engagement aller Beteiligten zahlt sich aus: In Baden-Württemberg ist in den letzten Jahren eine positive Entwicklung bei den Organspendezahlen zu verzeichnen: Vergleicht man die ersten vier Monate des Jahres, so ist in diesem Zeitraum in den vergangenen drei Jahren ein stetiger Anstieg sowohl der Organspender als auch der gespendeten Organe zu verzeichnen. Allein bis Ende April wurden bereits 163 Organe von 55 Organspendern gespendet. Damit liegt Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen auf Platz 2 der Bundesländer. Dennoch warten allein in Baden-Württemberg immer noch zu viele Menschen auf ein Spenderorgan.

Widerspruchslösung als sinnvolle Ergänzung

Die Widerspruchslösung, zu der Baden-Württemberg gemeinsam mit sieben weiteren Bundesländern einen Gesetzesentwurf in den Bundesrat eingebracht hat, könnte Abhilfe schaffen. „Die Widerspruchslösung bedeutet, dass grundsätzlich jede volljährige Person als Organspenderin oder Organspender gilt, sofern sie einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Angehörige werden weiterhin einbezogen, um den bekannten Willen der verstorbenen Person auf jeden Fall zu berücksichtigen. Die Widerspruchslösung würde das Organspenderegister und die Aufklärungskampagnen sinnvoll ergänzen,“ betonte Hildenbrand. „Ich freue mich, dass sich nun auch der Bundestag wieder dieses Themas annimmt.“

Der Tag der Organspende wurde 1983 von Patientenverbänden initiiert, um die Öffentlichkeit für das Thema Organspende zu sensibilisieren. Durch Aufklärung soll es der Bevölkerung ermöglicht werden, eine selbstbestimmte Entscheidung zur Organspende zu treffen und diese auch zu dokumentieren, beispielsweise in einem Organspendeausweis, einer Patientenverfügung oder im digitalen Organspende-Register.