Familien sind das Fundament unserer Gesellschaft. Gleichzeitig sind sie mit vielseitigen Belastungen und Herausforderungen konfrontiert. Durch den Ideenwettbewerb werden innovative Ideen prämiert, die Familien unterstützen und das Familienleben verbessern. Für den Wettbewerb stellt das Land insgesamt 650.000 Euro bereit.
Im Rahmen der Entwicklung der Familienförderstrategie wurden familienpolitische Akteurinnen und Akteure aus allen Bereichen eingebunden. In Arbeitsgruppen wurden zahlreiche Handlungsempfehlungen erarbeitet, die in die Strategie mit eingeflossen sind. Mit dem Ideenwettbewerb wird nun an die im Rahmen des Beteiligungsprozesses ermittelten Bedarfe angeknüpft. Zielgruppe sind Familien mit Kindern unter 18 Jahren und ihre nahen (Wahl-)Angehörigen, wie zum Beispiel Großeltern und Paten sowie Fachkräfte aus dem Familienbildungsbereich.
Vier Themenfelder
Im Fokus standen dabei vier Themenfelder, die das Familienleben stärken und damit auf eine bessere Resilienz von Familien und ihrer einzelnen Mitglieder hinwirken:
Kinder verbringen einen großen Teil ihres Alltages in einer Kindertageseinrichtung, in Schulen sowie in weiteren Betreuungs- oder auch Familienbildungseinrichtungen. Um ihre Entwicklung bestmöglich zu begleiten, sie zu fördern und ihre individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten wahrzunehmen, bedarf es einer guten Zusammenarbeit (Erziehungspartnerschaft) zwischen der Familie des Kindes, den pädagogischen Fachkräften, die es betreuen, und dem Sozialraum. Eine gelungene Erziehungspartnerschaft beruht unter anderem auf einem regelmäßigen Austausch und braucht einladende Mitwirkungsangebote für Familien. Ziel ist die Stärkung einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, welche gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz weckt. Gesucht werden daher innovative Modelle, die erfolgreiche Erziehungspartnerschaften zwischen Familien und der betreuenden Einrichtung ermöglichen.
Prämiert werden Ideen, die ein ausbalanciertes und gesundheitsbewusstes Familienleben unterstützen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die zahlreichen Anforderungen der Elternschaft stellen Eltern regelmäßig vor Herausforderungen, die belasten und zur Erschöpfung führen können. Gleichzeitig nehmen Eltern zum Beispiel hinsichtlich Ernährung, Bewegung und Selbstfürsorge gegenüber ihren Kindern stets eine (auch unbewusste) Vorbildfunktion ein. Gesucht werden Ideen, welche die Resilienz von Familien stärken und Kompetenzen für ein gesundes Leben im Familienalltag vermitteln. Dies können zum Beispiel die Sensibilisierung für Themen wie Mental Load und die Verteilung von Care-Arbeit sein sowie Angebote, welche die selbstaktive Mobilität, die Selbstständigkeit der Kinder oder Gesundheitskompetenz zu bestimmten Themen vermitteln. Dabei kann auch das familiäre Umfeld miteinbezogen werden. Der Fokus liegt auf gesundheitsfördernden, niedrigschwelligen und alltagsnahen Ansätzen, um auch schwer erreichbare Zielgruppen wie zum Beispiel Familien mit Armutserfahrung zu erreichen.
Familien und ihre Bedürfnisse unterliegen einem stetigen Wandel. Familienformen sind vielfältig. Eineltern- und Patchwork-Familien, Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern („Regenbogenfamilien“) und gesellschaftliche Entwicklungen haben das Familienverständnis sowie die Bedürfnisse von Familien verändert. Diese Vielfalt an Familienformen erweitert die Fragestellungen nach geeigneten Maßnahmen und verlangt nach einer differenzierten Herangehensweise. Prämiert werden können Ideen, die die Vielfalt der Familienformen sichtbar machen und zu mehr Teilhabe und Chancengleichheit beitragen oder auch die Weiterentwicklung bestehender Unterstützungsangebote ermöglichen.
Manche Phasen der Veränderung bieten Chancen, andere sind belastend und können ein Familienleben tief erschüttern. Familien durchleben im Laufe der Zeit viele Übergangssituationen. Eltern erfahren diese mit der Geburt eines Kindes, dessen Übergang in die Kinderbetreuung und Schule, ihrem Wiedereinstieg in den Beruf und mit der anschließenden Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren. Gesucht werden Konzepte, die Familien in verschiedenen Übergangssituationen gezielt unterstützen und dabei die sozialen und emotionalen Aspekte von Veränderungen aufgreifen. Familien sollen hierdurch für die Herausforderungen von Veränderungen sensibilisiert und in ihren Kompetenzen gestärkt werden, um diese gut zu bewältigen und auch ihre Kinder dabei bestmöglich begleiten zu können. Darüber hinaus sind Ideen willkommen, die Unterstützung bei stark belastenden Veränderungen leisten, wie zum Beispiel bei Verlust eines Arbeitsplatzes, Trennung der Eltern, einer Erkrankung oder dem Tod eines Familienmitglieds.
Große Resonanz
Insgesamt wurden 111 Bewerbungen von Kommunen, Vereinen und gemeinnützigen Organisationen aus ganz Baden-Württemberg eingereicht. Gemeinsam mit einer Fachjury wählte das Ministerium 18 Projekte aus, die insbesondere durch innovative und nachhaltige Konzepte überzeugten und sich auf andere Einrichtungen übertragen lassen.
Die ausgezeichneten Projekte werden Ende 2026 bei einer öffentlichen Veranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt.
Liste der ausgezeichneten Projekte
Folgende Projekte werden gefördert:
Erziehungspartnerschaften
- AGJ Suchtberatung Ettlingen e. V., Projekt: FamilienKULTUR, Preisgeld: 40.000 Euro
- Förderverein Rheinaugrundschule e. V., Projekt: SchulFunk, Preisgeld: 43.000 Euro
- Stadt Heidelberg, Projekt: Podcastreihe „Gut ankommen in der Schule“, Preisgeld: 35.000 Euro
Ausbalanciertes Familienleben
- Stadt Pforzheim, Projekt: Familienküche in Pforzheim, Preisgeld: 12.000 Euro
- StuFem e. V., Projekt: FamilienBalance-Kompass, Preisgeld: 41.200 Euro
- Volkshochschule Buchen e. V., Projekt: Starke Familien, Preisgeld: 3.595 Euro
- Kinderturnstiftung Baden-Württemberg, Projekt: Familienpaket zur Bewegungsförderung, Preisgeld: 50.000 Euro
- Eltern-Kind-Initiative e. V. Müllheim, Projekt: Stark im Familienalltag, Preisgeld: 35.000 Euro
- Aktiv inklusiv e. V., Projekt: WirZeit – gemeinsam wachsen, Preisgeld: 50.000 Euro
- Arche Nora e. V. Kinder- und Familienzentrum, Projekt: Arche Nora Familienkompass +, Preisgeld: 20.000 Euro
Vielfalt von Familien
- LSVD Baden-Württemberg e. V., Projekt: Regenbogenfamilienportal für Baden-Württemberg, Preisgeld: 50.000 Euro
- Gemeinde Schlierbach, Projekt: FamilienMitte-Digital vernetzt und nachhaltig, Preisgeld: 50.000 Euro
- Familienzentrum Klara e. V., Projekt: Familienleben – 360 Grad, Preisgeld: 50.000 Euro
Unterstützung in familiären Übergangsituationen
- Zukunftswerkstatt Rückenwind e. V., Projekt: Rückwind-Box, Preisgeld: 49.200 Euro
- Haus der Familie, Familien-Bildungsstätte Göppingen e. V., Projekt: Elternwissen neu gemacht – persönlich. digital., Preisgeld: 50.000 Euro
- Stadt Heidelberg, Projekt: Übergang Schule - Beruf mit KI, Preisgeld: 10.000 Euro
- Oberlin e. V., Projekt: TrauerRaum Familie, Preisgeld: 15.000 Euro
- Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg e. V., Projekt: Familienkompass, Preisgeld: 46.000 Euro
