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Flüchtlinge/Berufsanerkennung
  • 26.06.2018

Das lange Warten nach der Flucht

  • Der syrische Arzt Ihsan Hikal aus Damaskus steht bei einer Pressekonferenz vor einem Logo der Arbeiterwohlfahrt in Stuttgart (Foto: Fabian Albrecht/dpa)

Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha will die Barrieren zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in Baden-Württemberg weiter abbauen. „Wir wollen, dass die Zuwanderinnen und Zuwanderer im Südwesten jene Potenziale verwirklichen können, die ihnen ihre Abschlüsse bieten“, sagte der Minister bei einem Besuch bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Stuttgart, die Zuwanderer bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse berät. Ein Beispiel für die erfolgreiche Anerkennungsberatung: Ihsan Hikal, syrischer Arzt aus Damaskus.

Für die Anerkennungsberatung bietet das Land Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „Integration durch Qualifizierung“ (IQ), der Liga der freien Wohlfahrtspflege, der unter anderem die Awo angehört, und einigen Jobcentern Sprechstunden an, hilft bei der Antragsstellung und vermittelt Sprachkurse und andere Qualifizierungsmaßnahmen.

Die Nachfrage nach den Beratungen sei im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Nach Angaben des Sozial- und Integrationsministeriums ließen sich im vergangenen Jahr 8.840 Menschen über die Anerkennung ihres Abschlusses beraten, das waren 1.238 mehr als im Jahr 2016.

Porträt: Ihsan Hikal, Arzt aus Damaskus

Menschen wie Ihsan Hikal kann Deutschland gut brauchen. Er ist ein junger Familienvater und ein hoch qualifizierter Mediziner. Fast zweieinhalb Jahre brauchte der Syrer, bis Deutschland seine Ausbildung voll anerkannte – dabei hatte er anders als viele seiner Landsleute alle nötigen Papiere bei sich.

2014 war Hikal mit seiner Frau und seinen beiden Kindern aus Damaskus zunächst in den Oman geflohen, praktizierte dort und lernte am Wochenende Deutsch am Goethe-Institut, bevor ihm die Deutsche Botschaft ein dreimonatiges Visum gab. Im Dezember 2015 kamen die Hikals dann nach Schwäbisch Hall.

Dort stellte Hikal zunächst einen Antrag auf Asyl und meldete sich bei der Anerkennungsberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Im Februar 2016 stellte er nach einem weiteren Sprachkurs beim Regierungspräsidium Stuttgart den Antrag, seine Approbation in Deutschland anerkennen zu lassen. Fünf Monate später antwortete die Behörde und forderte weitere Unterlagen.

Die Wartezeit vertrieb sich Hikal mit weiteren Sprachkursen und Hospitationen im Krankenhaus, einer Arztpraxis und einem Rettungswagen. Im August 2016 legte er eine Fachsprachenprüfung ab, wartete aber weiter auf die Kenntnisprüfung, die zur Anerkennung seiner Ausbildung nötig ist.

Ein weiteres Praktikum führte ihn im November 2016 ans Marienhospital in Stuttgart. Sein Chefarzt bot ihm anschließend eine Stelle als Assistenzarzt an – sollte er seine Approbation bekommen. Also machte er Druck beim Regierungspräsidium, schrieb nach eigenen Angaben täglich E-Mails und drängte auf einen Termin – und bekam ihn endlich.

Im März 2017 konnte er seine Kentnissprüfung ablegen, bekam seine Approbation und arbeitet seitdem im Stuttgarter Marienhospital. Fast ein Jahr, bis zum Januar 2018, musste er noch warten, bis die Ärztekammer seine Facharztausbildung anerkannte. Nun hat er im Marienhospital eine unbefristete Stelle als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Seine Frau war in Syrien ebenfalls Ärztin. Sie wartet noch auf die Anerkennung ihrer Ausbildung.

Pressemitteilung des Sozial- und Integrationsministeriums: Land weitet Beratung zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse aus

Flyer „Nachbarschaftsgespräche. Zusammenleben – aber wie?“ (PDF)

Broschüre „Kommunale Flüchtlingsdialoge in Baden-Württemberg. Evaluation der Beteiligungsverfahren“ (PDF)

Quelle: mit dpa/lsw


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