Haus- und Landärzte

Ambulante Versorgung

Förderprogramm bringt neue Hausärzte aufs Land

  • Junger Arzt spricht mit kleinem Jungen, der auf dem Schoß seiner Mutter sitzt

Die ambulante ärztliche Versorgung in Baden-Württemberg ist gut. Sie wird zum größten Teil durch niedergelassene Vertragsärzte, das heißt Hausärzte und Fachärzte (zum Beispiel Hautärzte, Orthopäden, Kinderärzte usw.) sowie niedergelassene Zahnärzte und Psychotherapeuten sichergestellt. In geringerem Umfang und besonders bei hochspezialisierten Leistungen und seltenen Erkrankungen nehmen auch Krankenhäuser im Team mit niedergelassenen Ärzten an der ambulanten ärztlichen Versorgung Teil.

Doch viele junge Ärztinnen und Ärzte zieht es in Städte und Ballungsgebiete, was auf dem Land zum Teil zu erheblichen Nachwuchsproblemen führt – insbesondere im hausärztlichen Bereich. Nach den aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (Stand: 1. Januar 2018) gibt es über 7.000 Hausärztinnen und Hausärzte in Baden-Württemberg. Eine Hausärztin bzw. ein Hausarzt ist für 1.537 Einwohner da (Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg).

Die Gründe hierfür sind vielfältig:

  • Besonders schwer wiegt, dass mehr Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen als junge Medizinerinnen und Mediziner nachfolgen.
  • Hinzu kommen ein geringes Interesse der Studierenden am Fach Allgemeinmedizin und Unzulänglichkeiten in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin.
  • Auch die bundesgesetzlich vorgegebene Bedarfsplanung (in vielen Facharztgebieten nur großräumig und im Übrigen unflexibel) und die unzureichende Nutzung sektorenübergreifender Versorgungsressourcen tragen zu der Verteilungsproblematik bei.
  • Ein weiterer wichtiger Faktor ist der an sich erfreuliche Umstand, dass ein großer Teil des ärztlichen Nachwuchses weiblich ist. Es wird immer wichtiger, dass neben dem Beruf auch Platz für ein Familienleben bleibt. Hierauf sind die Versorgungsstrukturen auf dem Land noch nicht ausreichend angepasst.

In Einzelfällen kommt es im ländlichen Raum bereits zu Versorgungsengpässen. Daher müssen alle Beteiligten – Bund, Land, Selbstverwaltung und Kommunen – gemeinsam daran arbeiten, die Versorgungsstrukturen, die Arbeitsbedingungen und die örtliche Infrastruktur an den Bedürfnissen der nachwachsenden Ärztegeneration auszurichten.

Aktionsprogramm: Finanzielle Unterstützung bei Wechsel aufs Land und zur Vernetzung der Gesundheitsakteure

Um die ambulante medizinische Versorgung der Menschen flächendeckend zu sichern, hat das Sozialministerium das Aktionsprogramm „Landärzte“ auf den Weg gebracht. Darin werden die unterschiedlichen Handlungsoptionen des Landes gebündelt.

Das Programm zeigt die Schwachstellen des derzeitigen Systems auf und bietet bundes- sowie landespolitische und strukturelle Lösungsansätze für die bestehenden Probleme. Diese reichen von der Nachwuchsförderung über die Verbesserung der bestehenden Versorgungsstrukturen bis hin zu einer Verbesserung der bundesgesetzlichen Grundlagen der Bedarfsplanung.

Die Landesregierung stellt darüber hinaus ein Förderprogramm mit einer finanziellen Ausstattung in Höhe von insgesamt 6,95 Mio. Euro zu Verfügung. Fördermittel können grundsätzlich in folgenden Bereichen beantragt werden:

Förderbaustein „Landärzte“

Ziel der finanziellen Unterstützung im Rahmen des Förderprogramms „Landärzte“ ist die Verbesserung der ambulanten hausärztlichen Versorgung. Dies gilt für Fördergebiete im ländlichen Raum, in denen es heute schon Versorgungsengpässe gibt bzw. perspektivisch geben kann. Ein Hausarzt erhält bis zu 30.000 Euro Landesförderung, wenn er sich in Baden-Württemberg in einer ländlichen Gemeinde niederlässt, deren hausärztliche Versorgung nicht oder in naher Zukunft nicht mehr gesichert ist.

Seit Beginn des Förderprogramms „Landärzte“ im Jahr 2012 wurden bis Anfang 2018 mehr als 100 Ärztinnen und Ärzte mit über zwei Millionen Euro finanziell unterstützt. Von Beginn an war das Förderprogramm sehr gut angenommen.

Da es zuletzt eine unerwartet hohe Akzeptanz mit massiv steigenden Antragszahlen erfuhr, sind sämtliche für 2018 bereitgestellten Mittel schon jetzt verausgabt, so dass aufgrund des großen Erfolges des Programms in diesem Jahr keine Förderungen mehr bewilligt werden können. Momentan wird geprüft, in welcher Form das Programm im Jahr 2019 in weiterentwickelter Form an den Start gehen wird.

Förderbaustein „Kommunale Gesundheitskonferenzen“

Kommunale Gesundheitskonferenzen sollen die Plattform zur Vernetzung der Akteure auf der kommunalen Ebene sein. Dies gilt unter anderem auch für die sektorenübergreifende Planung und Steuerung medizinischer Angebote, um Versorgungsengpässe zu vermeiden und knappe personelle Ressourcen effizient zu verteilen. Im Bedarfsfall soll deshalb in Kreisstrukturgesprächen über neue Ansätze der sektorenübergreifenden Organisation stationärer und ambulanter Versorgung einschließlich Notfallversorgung beraten werden.

Das Land hat die Einrichtung von Kommunalen Gesundheitskonferenzen, einschließlich Kreisstrukturgesprächen, mit insgesamt 1,75 Millionen Euro finanziell unterstützt. Sie finden mittlerweile in 28 Land- und 6 Stadtkreises statt. Damit haben bereits drei Viertel der Land- und Stadtkreise in Baden-Württemberg Kommunale Gesundheitskonferenzen etabliert.


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