Engagementstrategie Baden-Württemberg

Engagementpolitik ist Demokratieförderung

Baden-Württemberg ist das Land des Ehrenamts. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Freiwilligensurvey, eine Erhebung des Deutschen Zentrums für Altersfragen in Berlin. Der Untersuchung zufolge engagiert sich fast jeder zweite Baden-Württemberger in seiner Freizeit ehrenamtlich für andere, nämlich 48,2 Prozent. Baden-Württemberg liegt damit in der Spitzengruppe der Bundesländer. 

Tatsächlich dürfte das bürgerschaftliche Engagement inzwischen sogar noch höher sein. Da die Befragungen für die Erhebung vor der großen Engagementbereitschaft für die Flüchtlinge erfolgte, ist das Engagement in der Flüchtlingshilfe im Freiwilligensurvey noch nicht erfasst.

Um diese breite Beteiligung zu sichern und zu fördern, wurde vor einigen Jahren die Engagementstrategie Baden-Württemberg entwickelt. Damit sollen die Rahmenbedingungen für Bürgerschaftliches Engagement verbessert und neue Engagierte gewonnen werden. In den vergangenen Monaten wurde die Engagementstrategie Baden-Württemberg weiterentwickelt. 

Ziele der Engagementstrategie

Das Leitmotiv der Engagementstrategie Baden-Württemberg ist, dass Engagementpolitik der Demokratieförderung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dient.

Die operativen und strukturellen Ziele der Engagementstrategie sind 

  • die Vielfalt des Engagements in allen seinen Erscheinungsformen weiterzuentwickeln,
  • Engagement für alle Menschen in allen Lebenslagen und mit allen Lebenskonzepten zu ermöglichen, sofern diese dies möchten,
  • Orte des Engagements / Engagementräume zu entwickeln,
  • tragfähige Rahmenbedingungen zu schaffen.

Im Mittelpunkt steht die Freiwilligkeit, die Gemeinwohlorientierung, die Unabhängigkeit von finanziellen Interessen und die Wertschätzung des Eigensinns des Engagements.

Bei der Engagementstrategie geht aber auch um die übergeordneten gesellschaftspolitischen Bezüge des Bürgerschaftliches Engagement:

  • Welche Rolle spielt Bürgerschaftliches Engagement für den Fortschritt in den Kommunen und für die Entwicklung der einzelnen Menschen?
  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Wohlergehen, der Gesundheit der Menschen, der Zugehörigkeit und der Geborgenheit in der Gesellschaft und dem Bürgerschaftliches Engagement?
  • Welche Erfahrungen der Selbstwirksamkeit, der Sinnstiftung und des Tätigseins verknüpfen sich mit Bürgerschaftliches Engagement und welche Rolle spielt Bürgerschaftliches Engagement als Form der Beteiligung?

Festgehalten wird an den tragfähigen Strukturen des Bürgerschaftlichen Engagements in Baden-Württemberg. Vorgesehen ist, die Diskussion um die Bedeutung der Engagementpolitik für die Demokratie und damit die zivilgesellschaftliche Dimension des Bürgerschaftlichen Engagements zu beleben. Zum anderen sollen die Ziele der Engagementstrategie von allen Akteuren in (neuen) Vernetzungen, die sich an den oben genannten Bezügen orientieren, in konkreten Formaten weiterverfolgt werden. 

Engagiert in Baden-Württemberg

Mit der Erarbeitung der Engagementstrategie Baden-Württemberg wurde ein wichtiger Prozess der Fortentwicklung der Engagementpolitik im Land angestoßen. Ein Schwerpunkt bei der Umsetzung der Engagementstrategie lag bis Ende 2017 darin, Engagementräume zu entwickeln. Dies wurde im Rahmen des Programms „Gemeinsam sind wir bunt“ vor Ort vorangebracht. Zahlreiche Projekte befassten sich mit dem Thema „Qualifizierung im Ehrenamt“ oder damit, Menschen für ein dauerhaftes Engagement zu gewinnen. 

Mit der Weiterentwicklung der Engagementstrategie 2018/2019 konnte im vergangenen Jahr erstmals das Förderprogramm „Engagiert in BW“ aufgelegt werden. Damit wurde an das Programm „Gemeinsam sind wir bunt“ angeknüpft, es wurden aber auch neue Schwerpunkte gesetzt. Dies ist auch Ziel bei der Förderung von „Engagiert in BW II“. Die Ziele der Engagementstrategie – wie allen Bevölkerungsgruppen ein Engagement zu ermöglichen, die Vielfalt des Engagements weiterzuentwickeln sowie Engagementräume zu entwickeln – werden weiterverfolgt. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Leitmotiv der Engagementstrategie: durch bürgerschaftliches Engagement den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und die Demokratie zu fördern. Aktuell werden bei „Engagiert in BW II“ 15 Projekte und Initiativen mit bis zu 40.000 Euro gefördert. 

Die am Seitenende zum Download eingestellte Evaluation des Programms „Gemeinsam sind wir bunt“ kommt zu dem Ergebnis, dass „einige der mit der Engagementstrategie verfolgten Ziele“ in dessen Rahmen „sehr erfolgreich umgesetzt werden konnten“.