Engagementstrategie Baden-Württemberg

Engagementpolitik ist Demokratieförderung

Baden-Württemberg ist das Land des Ehrenamts. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Freiwilligensurvey, eine Erhebung des Deutschen Zentrums für Altersfragen in Berlin.

Um diese breite Beteiligung zu sichern und zu fördern, wurde vor einigen Jahren die Engagementstrategie Baden-Württemberg entwickelt. Damit sollen die Rahmenbedingungen für Bürgerschaftliches Engagement verbessert und neue Engagierte gewonnen werden. In den vergangenen Monaten wurde die Engagementstrategie Baden-Württemberg weiterentwickelt. 

Ziele der Engagementstrategie

Das Leitmotiv der Engagementstrategie Baden-Württemberg ist, dass Engagementpolitik der Demokratieförderung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dient.

Die operativen und strukturellen Ziele der Engagementstrategie sind 

  • die Vielfalt des Engagements in allen seinen Erscheinungsformen weiterzuentwickeln,
  • Engagement für alle Menschen in allen Lebenslagen und mit allen Lebenskonzepten zu ermöglichen, sofern diese dies möchten,
  • Orte des Engagements / Engagementräume zu entwickeln,
  • tragfähige Rahmenbedingungen zu schaffen.

Im Mittelpunkt steht die Freiwilligkeit, die Gemeinwohlorientierung, die Unabhängigkeit von finanziellen Interessen und die Wertschätzung des Eigensinns des Engagements.

Bei der Engagementstrategie geht aber auch um die übergeordneten gesellschaftspolitischen Bezüge des Bürgerschaftliches Engagement:

  • Welche Rolle spielt Bürgerschaftliches Engagement für den Fortschritt in den Kommunen und für die Entwicklung der einzelnen Menschen?
  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Wohlergehen, der Gesundheit der Menschen, der Zugehörigkeit und der Geborgenheit in der Gesellschaft und dem Bürgerschaftliches Engagement?
  • Welche Erfahrungen der Selbstwirksamkeit, der Sinnstiftung und des Tätigseins verknüpfen sich mit Bürgerschaftliches Engagement und welche Rolle spielt Bürgerschaftliches Engagement als Form der Beteiligung?

Festgehalten wird an den tragfähigen Strukturen des Bürgerschaftlichen Engagements in Baden-Württemberg. Vorgesehen ist, die Diskussion um die Bedeutung der Engagementpolitik für die Demokratie und damit die zivilgesellschaftliche Dimension des Bürgerschaftlichen Engagements zu beleben. Zum anderen sollen die Ziele der Engagementstrategie von allen Akteuren in (neuen) Vernetzungen, die sich an den oben genannten Bezügen orientieren, in konkreten Formaten weiterverfolgt werden. 

Engagiert in Baden-Württemberg

Mit der Erarbeitung der Engagementstrategie Baden-Württemberg wurde ein wichtiger Prozess der Fortentwicklung der Engagementpolitik im Land angestoßen. Ein Schwerpunkt bei der Umsetzung der Engagementstrategie lag bis Ende 2017 darin, Engagementräume zu entwickeln. Dies wurde im Rahmen des Programms „Gemeinsam sind wir bunt“ vor Ort vorangebracht. Zahlreiche Projekte befassten sich mit dem Thema „Qualifizierung im Ehrenamt“ oder damit, Menschen für ein dauerhaftes Engagement zu gewinnen. 

Mit der Weiterentwicklung der Engagementstrategie 2018/2019 konnte im vergangenen Jahr erstmals das Förderprogramm „Engagiert in BW“ aufgelegt werden. Damit wurde an das Programm „Gemeinsam sind wir bunt“ angeknüpft, es wurden aber auch neue Schwerpunkte gesetzt. Dies ist auch Ziel bei der Förderung von „Engagiert in BW II“. Die Ziele der Engagementstrategie – wie allen Bevölkerungsgruppen ein Engagement zu ermöglichen, die Vielfalt des Engagements weiterzuentwickeln sowie Engagementräume zu entwickeln – werden weiterverfolgt. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Leitmotiv der Engagementstrategie: durch bürgerschaftliches Engagement den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und die Demokratie zu fördern. Aktuell werden bei „Engagiert in BW II“ 15 Projekte und Initiativen mit bis zu 40.000 Euro gefördert. 

Die am Seitenende zum Download eingestellte Evaluation des Programms „Gemeinsam sind wir bunt“ kommt zu dem Ergebnis, dass „einige der mit der Engagementstrategie verfolgten Ziele“ in dessen Rahmen „sehr erfolgreich umgesetzt werden konnten“. 

Förderprogramme zur Unterstützung von Integrations-Projekten

Zahlreiche Förderprogramme des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg haben zum Ziel, Kommunen und zivilgesellschaftliche Gruppen bei ihren Integrations-Projekten zu unterstützen.
Herr Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim hat in unserem Auftrag eine Evaluation der folgenden Programme durchgeführt:

  • Gemeinsam in Vielfalt III: Förderung einzelner Projekte zur Integration von Geflüchteten sowie Migrantinnen und Migranten
  • Qualifiziert.Engagiert: Förderung von regionalen und lokalen Qualifizierungskonzepten für bürgerschaftlich Engagierte
  • Fachberatungen: fachliche Begleitung und Vernetzung der Projekte der Förderprogramme
  • Prozessbegleitung für Kommunen und Landkreise: Beratung von Kommunen und Landkreisen durch die Führungsakademie Baden-Württemberg
  • Nachbarschaftsgespräche

Fünfter Deutscher Freiwilligensurvey

Freiwilliges Engagement ist in Deutschland stabil auf einem hohen Niveau. Das zeigen die zentralen Ergebnisse des Fünften Freiwilligensurveys, der das freiwillige Engagement im Jahr 2019 abbildet. Siehe weiterführende Links.
 
Der Deutsche Freiwilligensurvey ist seit zwei Jahrzehnten die Basis für die Berichterstattung zum aktuellen Stand und zur Entwicklung des freiwilligen Engagements in Deutschland. Seit 1999 wird er alle fünf Jahre als telefonische, bevölkerungsrepräsentative Studie durchgeführt. Die Ergebnisse des Fünften Deutschen Freiwilligensurvey 2019 sind wichtig für die Gestaltung der Engagementpolitik von Bund, Ländern und Kommunen. Sie sind auch für Vereine, Verbände, Stiftungen und Bürgerinitiativen wertvoll, um etwas über gesellschaftliche Trends und den Wandel im freiwilligen Engagement zu erfahren und darauf zu reagieren.

Voraussichtlich im Herbst 2021 werden erste spezifische Auswertungen und Grafiken des Freiwilligensurveys für Baden-Württemberg verfügbar sein.