Aufarbeitung der Heimerziehung in Baden-Württemberg

Abschlussveranstaltung

Aufarbeitung der Heimerziehung in Baden-Württemberg

Unzählige Kinder haben in baden-württembergischen Heimen jahrzehntelang Missbrauch und Gewalt erlebt. Auf der Abschlussveranstaltung der Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Baden-Württemberg entschuldigte sich Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha im Namen der Landesregierung bei den Betroffenen.

In Baden-Württemberg meldeten sich seit dem Jahr 2012 mehr als 2.400 ehemalige Heimkinder bei der Anlauf- und Beratungsstelle „Heimerziehung 1949-1975“, um von ihren schrecklichen Erfahrungen zu berichten. Die Ergebnisse aus der intensiven Aufarbeitung wurden zu einem umfangreichen Bericht zusammengefasst, der am 26. November 2018 in Stuttgart in Anwesenheit von mehr als 200 Betroffenen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Auf der Veranstaltung entschuldigte sich Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha im Namen der Landesregierung bei den zahlreichen anwesenden ehemaligen Heimkindern: „Ich entschuldige mich für all das Leid und Unrecht, das Sie erlebt haben und für all die schlimmen Folgen, mit denen Sie heute noch leben müssen. Wir können das, was passiert ist, nicht ungeschehen machen. Was wir aber tun können, ist, Ihnen aufmerksam zuzuhören und Anteil zu nehmen. Wir können öffentlich anerkennen, was damals passiert ist. Ihnen helfen, die Missstände zu benennen und aufzuklären. Ihnen helfen, das Leid – so gut das überhaupt geht – aufzuarbeiten.“

Die Tagung „Heimerziehung in Baden-Württemberg: Gestern – Heute – Morgen“ richtete den Blick auf die Aufarbeitung der Heimerziehung: die Erfahrungen ehemaliger Heimkinder, die Aufklärungsarbeit durch die Anlauf- und Beratungsstelle, die heutige Heimerziehung sowie Lehren und Perspektiven für die Zukunft.

Neben einer thematischen Einführung und Fachvorträgen waren die Betroffenen mit eigenen Beiträgen und in Gesprächsrunden beteiligt. Die Wanderausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg und der Markt der Möglichkeiten rundeten das Programm ab.

Mehr als Geld und gute Worte

Im Jahr 2012 haben Bund und Länder den Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ eingerichtet und ehemaligen Heimkindern damit erstmals flächendeckend Unterstützung und Hilfe angeboten. Verbunden mit der Errichtung des Fonds war die Gründung regionaler Anlauf- und Beratungsstellen für ehemalige Heimkinder mit dem Ziel, die Geschichte der Heimerziehung aufzuarbeiten.

Der Abschlussbericht der Anlauf- und Beratungsstelle Baden-Württemberg mit dem Titel „Mehr als Geld und gute Worte“ enthält neben statistischen Angaben etwa zu Missbrauchs- und Misshandlungserfahrungen ehemaliger Heimkinder auch Einblicke in die Beratungsgespräche mit Betroffenen.

Mit Ablauf des Jahres 2018 endet die Laufzeit des Fonds und damit auch die Arbeit der Anlauf- und Beratungsstelle – nicht aber die Unterstützung für ehemalige Heimkinder. Es soll eine landesweit unabhängige Ombudsstelle eingerichtet werden, an die sich künftig auch ehemalige Heimkinder wenden können.

Mediathek: Bildergalerie zur Abschlussveranstaltung am 26. November 2018 in Stuttgart