Suchtkrankenhilfe

Suchtkrankenhilfe

Modernes Hilfesystem für Suchtgefährdete und Suchtkranke

Wege aus der Sucht müssen vielfältig gestaltet sein: Wenn Prävention ihr Ziel nicht erreicht und es zur Abhängigkeit von Suchtstoffen kommt, ist Hilfe erforderlich. Diese Hilfe muss in den unterschiedlichsten Formen organisiert werden, damit die Abhängigen erreicht und angemessen betreut werden. Nur differenzierte Maßnahmen können der Vielfalt der Suchtmittel und Suchtverläufe gerecht werden. Das Hilfesystem, das in Baden-Württemberg entwickelt wurde, um Suchtabhängigen zu helfen, ist in den vergangenen Jahren wesentlich ausgebaut und verfeinert worden.

Bereits im Jahr 2005 hat das Sozialministerium die „Empfehlung für die Entwicklung und Einrichtung von kommunalen Suchthilfenetzwerke in Baden-Württemberg“ verabschiedet. Zwischenzeitlich sind in allen Stadt- und Landkreisen die kommunalen Suchthilfenetzwerke eingerichtet und haben sich zu einer – bundesweit beachteten – Grundstruktur entwickelt. Die beteiligten Personen und Einrichtungen kooperieren verbindlich miteinander und können so die verfügbaren Ressourcen effektiver und effizienter einsetzen.

Ambulante Suchtkrankenhilfe

Das Sozialministerium hat ein dichtes Netz von Psychosozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungsstellen für Suchtgefährdete und Suchtkranke im ganzen Land geknüpft.

Die Mitarbeiter dieser Beratungsstellen

  • beraten und betreuen Suchtkranke und Suchtgefährdete sowie deren Angehörige sowie Bezugspersonen und andere Ratsuchende,
  • vermitteln sie in ambulante oder stationäre medizinische Behandlungs- oder Rehabilitationsmaßnahmen oder in Hilfen zur beruflichen Eingliederung,
  • behandeln Suchtkranke ambulant auf der Grundlage eines Hilfeplans,
  • übernehmen im Rahmen einer Substitutionsbehandlung in Kooperation mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin die psychosoziale Betreuung bei von illegalen Drogen Abhängigen nach den BUB-Richtlinien,
  • nehmen im Anschluss an eine ambulante oder stationäre Therapie Aufgaben der Nachsorge wahr, mit dem Ziel einer umfassenden psychischen, sozialen und beruflichen Rehabilitation,
  • wirken im Rahmen des Kommunalen Suchthilfenetzwerks an der Entwicklung örtlicher vorbeugender Maßnahmen mit und ergreifen selbst Initiativen.

Um weitere Suchtgefährdete und Abhängigkeitskranke zu erreichen, wurden vor allem in größeren Städten und Ballungsgebieten niedrigschwellige Angebote – die so genannten Kontaktläden – eingerichtet. Sie sollen insbesondere von illegalen Drogen Abhängigen Überlebenshilfen anbieten und die mit dem Drogenmissbrauch verbundenen Risiken (z.B. „needle-sharing“) mindern. Außerdem fördern sie die soziale Stabilisierung und Orientierung und erleichtern die Heranführung an die Angebote der Drogenberatung.

In den Suchtberatungseinrichtungen werden die Fachkraftstellen nach der Verwaltungsvorschrift des Sozialministeriums zur Gewährung von Zuwendungen für Psychosoziale Beratungs- und ambulante Behandlungsstellen für Suchtgefährdete und -kranke sowie für Kontaktläden (VwV-PSB/KL) gefördert (Download siehe rechts).

Stationäre und teilstationäre Suchtkrankenhilfe

Baden-Württemberg verfügt über ein leistungsfähiges Angebot an stationären Suchthilfeeinrichtungen. Der Suchtentwöhnungsbehandlung geht grundsätzlich eine Entgiftungs- bzw. Entzugsbehandlung voraus, die zur Behandlung akuter Begleiterscheinungen in Krankenhäusern bzw. in den Zentren für Psychiatrie durchgeführt wird. Als besondere Behandlungsform für Drogenabhängige hat sich in diesem Bereich die niedrigschwellige und qualifizierte Entzugsbehandlung etabliert, die ohne Vorbedingungen begonnen werden kann.

Entwöhnungsbehandlungen werden in speziellen Fachkliniken für Suchtkranke durchgeführt. Daneben halten Krankenhäuser und die Zentren für Psychiatrie im Rahmen ihres umfassenden Versorgungsauftrags Behandlungsplätze bereit.

Ergänzt werden die ambulanten und stationären Behandlungsmöglichkeiten durch suchtmedizinische Tageskliniken und teilstationäre Rehabilitationsangebote. Nachsorgeeinrichtungen erleichtern die Rückkehr in den Alltag und in das Berufsleben. Außerdem gibt es verschiedene Ansätze und Modelle zur besseren Verzahnung von Suchtrehabilitation und Wiedereingliederung in das Erwerbsleben.

Eine eigene Säule des Hilfesystems stellt die ehrenamtliche Suchtselbsthilfe dar. Ihr Ziel ist insbesondere, Möglichkeiten für eine zufriedene und suchtmittelfreie Lebensgestaltung aufzuzeigen. Suchtselbsthilfe sieht die Abstinenz als entscheidende Grundlage für ein gelingendes Leben in geklärten Beziehungen. Im Verbund der Suchtkrankenhilfe übernimmt die Suchtselbsthilfe wichtige Aufgaben der Begleitung und Nachsorge für suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen und stabilisiert die Behandlungserfolge von Suchtberatungsstellen und Fachkliniken.

Chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke weisen neben ihrer chronifizierten Abhängigkeitserkrankung weitere Beeinträchtigungen und Schädigungen auf. Auch diesem Personenkreis stehen in Baden-Württemberg ausreichend Heimplätze bzw. Plätze im Betreuten Wohnen mit einem speziell auf seine Belange ausgerichtetes Versorgungsangebot zur Verfügung.


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