Prostituiertenschutzgesetz

Fragen und Antworten

Prostituiertenschutzgesetz

Am 1. Juli 2017 trat das Prostituiertenschutzgesetzt (ProstSchG) in Kraft. Mit dem Gesetz werden erstmalst umfassende Rechte und Pflichten für Betreiber von Prostitutionsgewerben und für Prostituierte eingeführt. In der Prostitution tätige Personen müssen ihre Tätigkeit nunmehr anmelden.

Prostituierte befinden sich oft in einer belastenden Situation. Sie können häufig nicht selbst für ihre Rechte eintreten. Mit diesem Gesetz will der Gesetzgeber die Prostituierten schützen und deren Rechte stärken.

Kriminalität in der Prostitution wie Menschenhandel, Gewalt gegen Prostituierte und Ausbeutung von Prostituierten und Zuhälterei soll bekämpft werden.

Was ändert sich für Prostituierte und Betreiberinnen und Betreiber? Was ändert sich für Prostituierte und Betreiberinnen und Betreiber?

  • Prostituierte: Frauen und Männer, die vor dem 1. Juli 2017 bereits in der Prostitution gearbeitet haben, müssen ihre Tätigkeit bis zum 31. Dezember 2017 anmelden. Erfolgt eine erste Anmeldung bis zum 31. Dezember 2017, gilt die Anmeldebescheinigung für 3 Jahre. Für Personen unter 21 Jahren gilt die Anmeldebescheinigung für 1 Jahr.
    Erfasst sind dabei alle sexuellen Handlungen, die gegen Entgelt vorgenommen werden, so auch zum Beispiel Escortservice und Tantra-Massagen. Nicht zwingend ist, dass das Entgelt in Form eines Geldbetrages erbracht wird. Auch Sachleistungen, wie zum Beispiel Schmuck, Kleidung oder Autos, die zur Sicherung oder Steigerung des eigenen Lebensunterhalts dienen, werden als Entgelt angesehen. Vorführungen pornografischer Art mit rein darstellerischem Charakter, wie beispielsweise Table-Dance-Aufführungen, fallen indes weiterhin nicht unter den Begriff der Prostitution.

    Eine Anmeldung hat auch dann zu erfolgen, wenn die Tätigkeit nur gelegentlich ausgeübt wird.

    Betreiberinnen und Betreiber: Wer bereits vor dem 1. Juli 2017 ein Prostitutionsgewerbe betrieben hat, hat dies bis zum 1. Oktober 2017 anzuzeigen und einen Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis bis zum 31. Dezember 2017 vorzulegen.  Soweit der Betrieb eines Prostitutionsgewerbes erst nach dem 1. Juli 2017 aufgenommen wird, ist dies wie bisher gemäß § 14 der Gewerbeordnung anzuzeigen. Künftig ist zusätzlich eine Erlaubnis nach dem Prostituiertenschutzgesetz erforderlich.

Wie läuft das Anmelde- und Erlaubnisverfahren ab? Wie läuft das Anmelde- und Erlaubnisverfahren ab?

  • Derzeit übernimmt das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg die Aufgaben, bis das Anmelde- und Erlaubnisverfahren von den zukünftig zuständigen Behörden übernommen wird.

    Termine für das Anmeldeverfahren und für Beratungsgespräche können online über nachstehenden Link anonym angefordert werden. Für die Terminvergabe benötigen wir lediglich eine Telefonnummer oder eine E-Mail-Adresse. Die gesundheitliche Beratung und die Anmeldung werden in Stuttgart stattfinden. Der genaue Ort wird Ihnen bei der Terminbestätigung mitgeteilt.

    Zur Terminanmeldung

    Weitere Informationen erhalten Sie unter:

    Prostituierte, auch in Rumänisch und Englisch:

    0711/123-3772 (Montag bis Freitag: 10-13 Uhr und 14-18 Uhr)

    Anmeldung-Prostitution@sm.bwl.de

    Betreiberinnen und Betreiber von Prostitutionsstätten:

    0711/123-3770 (Montag bis Freitag: 10-13 Uhr)

    Prostitutionsgewerbe@sm.bwl.de

Was muss für die Anmeldung mitgebracht werden? Was muss für die Anmeldung mitgebracht werden?

  • Für die Anmeldung wird folgendes benötigt:

    • Vor- und Nachname
    • Melde-/Zustelladresse
    • Geburtsdatum und Geburtsort
    • Staatsangehörigkeit
    • Angabe aller Bundesländer/Kommunen, in denen Tätigkeit geplant wird
    • Nachweis der Gesundheitsberatung (Die Bescheinigung darf bei der Anmeldung nicht älter als 3 Monate sein)
    • 2 Passfotos
    • Personalausweis oder Reisepass

Wo darf Prostitution ausgeübt werden? Wo darf Prostitution ausgeübt werden?

  • In Baden-Württemberg ist die Ausübung der Prostitution in Gemeinden mit einer Einwohnerzahl bis zu 35.000 verboten. In Gemeinden bis zu 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern kann auf Antrag der Gemeinde die Prostitution für das ganze Gebiet oder für bestimmte Bereiche der Gemeinde durch das Regierungspräsidium untersagt werden (sogenannte Sperrbezirke). Demgegenüber darf in Gemeinden von mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die Prostitution nach ständiger Rechtsprechung nicht von vornherein vollständig ausgeschlossen werden.

    Somit darf Prostitution nur in folgenden Landkreisen ausgeübt werden:
    Regierungsbezirk Stuttgart:
    Stadtkreis (SKR) Stuttgart, SKR Heilbronn, Landkreis Böblingen, Landkreis Esslingen, Landkreis Göppingen, Landkreis Heidenheim, Landkreis Ludwigsburg, Ostalbkreis, Rems-Murr-Kreis, Landkreis Schwäbisch Hall
    Regierungsbezirk Tübingen:
    SKR Ulm, Bodenseekreis, Landkreis Ravensburg, Landkreis Reutlingen, Landkreis Tübingen,
    Regierungsbezirk Karlsruhe:
    SKR Baden-Baden, SKR Karlsruhe, SKR Heidelberg, SKR Mannheim, SKR Pforzheim, Landkreis Karlsruhe, Landkreis Rastatt, Rhein-Neckar-Kreis
    Regierungsbezirk Freiburg:
    SKR Freiburg im Breisgau, Landkreis Konstanz, Ortenaukreis, Schwarzwald-Baar-Kreis

Ist auf der Anmeldebescheinigung der richtige Name anzugeben? Richtiger Name auf der Anmeldebescheinigung?

  • Ist auf der Anmeldebescheinigung der richtige Name anzugeben?

    Ja, auf Wunsch kann aber zusätzlich eine Aliasbescheinigung kostenlos ausgestellt werden.

Wie läuft das Informations- und Beratungsgespräch ab? Wie läuft das Informations- und Beratungsgespräch ab?

  • Ziel des Informations- und Beratungsgesprächs in einer geschützten und vertrauensvollen Umgebung ist es, die Prostituierten in ihren Rechten zu stärken und sie über die Neuerungen der Gesetzeslage zu informieren.

    Im Wesentlichen umfasst das Informations- und Beratungsgespräch:

    • Information zur Rechtslage nach dem Prostituiertenschutzgesetz
    • Information zur Absicherung im Krankheitsfall
    • Information zu gesundheitlichen und sozialen Beratungsangeboten
    • Information über die Steuerpflicht der aufgenommenen Tätigkeit
    • Information zur Erreichbarkeit von Hilfe in Notsituationen

Wie läuft das Verfahren für die gesundheitliche Beratung? Wie läuft das Verfahren für die gesundheitliche Beratung?

  • Die gesundheitliche Beratung ist eine vertrauliche Beratung.
    Personen unter 21 Jahren müssen die gesundheitliche Beratung alle 6 Monate machen. Personen ab 21 Jahren müssen die gesundheitliche Beratung alle 12 Monate machen.
    Personen die sich in einer Notlage befinden haben die Gelegenheit mit einer Vertrauensperson ein offenes Gespräch zu führen.
    In der Beratung spricht man über:

    • Verhütung
    • Sexuell übertragene Infektionen
    • Körperhygiene
    • Schwangerschaft
    • Umgang mit Alkohol und Drogen

Was muss noch beachtet werden? Was muss noch beachtet werden?

  • Für Prostituierte ab 21 Jahre ist die Anmeldebescheinigung 2 Jahre gültig.
    Für Prostituierte unter 21 Jahre ist die Anmeldebescheinigung 1 Jahr gültig.

    Nach Ablauf der Gültigkeitsdauer ist die Anmeldebescheinigung zu verlängern. Für eine Verlängerung muss man die gesundheitliche Beratung nachweisen, sowie das Informations- und Beratungsgespräch.

Wo gibt es weitere Hilfe und Beratung? Wo gibt es weitere Hilfe und Beratung?

  • Die Beratungsstellen für Prostituierte in Baden-Württemberg können von allen Personen in der Prostitution aufgesucht werden, unabhängig davon, in welcher Form die Prostitution ausgeübt wird. Die Beratungsstellen bieten eine umfassende Sozialberatung für die unterschiedlichen Lebensfragen, leisten direkte Krisenintervention und führen psychosoziale Beratungsgespräche durch. Darüber hinaus vermitteln sie an andere Fachdienste und unterstützen im Umgang mit Behörden.

    Durch einen respektvollen Umgang, dem Aufbau von Vertrauen und einen geschützten sowie anonymen Raum, können zahlreiche Hilfsangebote in Anspruch genommen werden. In einigen Beratungseinrichtungen werden medizinisch-gynäkologische Untersuchungen angeboten oder stehen Schutz-/Ausstiegswohnungen zur Verfügung. Die Beratung ist kostenfrei.

    Die Beratungsstellen leisten intensive Begleitung bei allen persönlichen Problemlagen und können neue Lebensperspektiven aufzeigen und unterstützend den Ausstieg aus dem Milieu begleiten.

    In Baden-Württemberg gibt es Beratungsstellen in Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Kehl, Heilbronn und Ulm.

    Liste von Beratungsstellen für Prostituierte in Baden-Württemberg (DOCX)

    Hilfe bei Gewalt in der Prostitution

    Prostituierte sind in besonderem Maße psychischen und körperlichen Gefährdungen ausgesetzt. In Baden-Württemberg gibt es auf regionaler Ebene eine Vielzahl von Angeboten für die Opfer von sexualisierter und häuslicher Gewalt. Frauennotrufe bzw. Fachberatungsstellen bei sexualisierter oder häuslicher Gewalt bieten Frauen nach einer Gewalterfahrung psychosoziale und therapeutische Hilfestellung zur Wahrnehmung von Opferrechten und zur Bewältigung akuter und zurückliegender (sexualisierter) Gewalterfahrungen.

    Ergänzt wird das Angebot der Beratungsstellen deshalb durch insgesamt 42 Frauen- und Kinderschutzhäuser in Baden-Württemberg. Sie haben zum Ziel, jeder Zuflucht suchenden Frau umgehend Schutz zu bieten, sie zu stabilisieren und sie beim Aufbau einer selbstbestimmten, gewaltfreien Lebensperspektive zu beraten und zu unterstützen.

    Übersicht über die regionalen Hilfsangebote in Baden-Württemberg für Frauen, die von Gewalt betroffen sind

    Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein Beratungsangebot, das Frauen, die Gewalt erlebt haben, rund um die Uhr, anonym und kostenfrei zur Verfügung steht. Das Beratungsangebot gilt selbstverständlich auch bei Gewalt in der Prostitution, Gewalt gegenüber Prostituierten sowie in Fällen von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Qualifizierte Beraterinnen stehen den Hilfesuchenden vertraulich zur Seite und vermitteln sie bei Bedarf an Unterstützungsangebote vor Ort, etwa an eine Frauenberatungsstelle oder ein Frauenhaus in der Nähe. Barrierefreiheit und Mehrsprachigkeit (17 Sprachen) sichern den Zugang für Frauen mit Behinderung und geringen Deutschkenntnissen. Auch Angehörigen, Freundinnen und Freunden sowie Fachkräften steht das Hilfetelefon für Fragen und Informationen zur Verfügung.

    www.hilfetelefon.de/das-hilfetelefon.html

    Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung

    In Deutschland steht Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung (§ 232 StGB) unter Strafe. Menschenhandel ist eine besonders schwerwiegende Menschenrechtsverletzung. Betroffen sind in erster Linie Frauen und Mädchen, die unter dem Vorwand einer scheinbar besseren Zukunft nach Deutschland gelockt und hier zur Prostitution gezwungen werden. Wesentliche Elemente des Menschenhandels sind Nötigung, Drohung, Zwang, Gewalt(-androhung), Täuschung oder Ausnutzung einer auslandspezifischen Hilfslosigkeit.  

    Die effektive Bekämpfung des Menschenhandels und der Zwangsprostitution setzt eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit und ein koordiniertes und strukturiertes Vorgehen aller beteiligten Behörden und Einrichtungen voraus. Das Sozial- und Integrationsministerium hat daher in Zusammenarbeit mit dem Justiz- und dem Innenministerium und in Abstimmung mit den Fachberatungsstellen und den Kommunalen Landesverbänden einen Kooperationsleitfaden erstellt. Dieser soll Schutz und Hilfe für Menschenhandelsopfer gewährleisten und die Bekämpfung des Menschenhandels und der damit in Zusammenhang stehenden Kriminalität weiter optimieren.

    Unter www.aktiv-gegen-frauenhandel.de ist die Homepage gegen Menschenhandel in Baden-Württemberg erreichbar. Die gemeinsame Homepage der Fachberatungsstellen hält in 18 verschiedenen Sprachen Informationen für potentielle Betroffene von Menschenhandel bereit und weist auf die Angebote der Beratungsstellen hin.

    Weiterführende Informationen und Links:
    Beratungsstellen für Menschenhandelsopfer in Baden-Württemberg (PDF)
    KOK - Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e. V.


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